Eineinhalb Jahre nach dem Start des eigenen Verlagsprogramms hat Rainer Groothuis (Foto) die Notbremse gezogen: Der Hamburger hat nach eigenen Angaben den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für seinen Corso-Verlag gestellt.
Seine Agentur Groothuis, Lohfert, Consorten/Gesellschaft für Formfindung und Sinneswandel mbH sei nicht von der Insolvenz betroffen, betont Groothuis.
In einer Mitteilung des Verlags heißt es: „Auf unserem Weg haben wir manches zu viel, manches zu wenig, manches richtig, manches falsch gemacht. Auch wenn wir ein Weihnachtsgeschäft hatten, das über den Erwartungen lag, gibt es derzeit keinen Spielraum mehr für verantwortbares wirtschaftliches Handeln.“
Die Gehälter der Mitarbeiter seien sicher, und der Geschäftsbetrieb werde fortgesetzt. Außerdem könnten alle lieferbaren Bücher nach wie vor bestellt werden. „Wir setzen darauf, gestärkt aus dem Insolvenzverfahren hervorzugehen.“
Der Hamburger Verlag hatte im Herbst 2010 unter der Marke Corso ein erstes Verlags-Programm ausgeliefert, bestehend aus fünf reich bebilderten Büchern, die das Thema Reise reflektieren, und dem Buchmagazin „corsofolio“, das einzelne Weltstädte literarisch und mit erzählenden journalistischen Formen porträtiert, herausgegeben von renommierten Autoren als „Gastgeber“. Den Anfang machte Martin Mosebach mit Rom.
Man setze auf „Haptik und Körperlichkeit“, das Programm sei von „Herzblut und Kalkül“ geprägt, erklärte seinerzeit Verleger Groothuis gegenüber buchreport: „Wenn man den Leuten versucht beizubringen, dass es inhaltlich und formal etwas Besonderes ist, darf der Preis nicht unter dem eines durchschnittlichen Blumenstraußes liegen. Sonst gibt man diesen möglichen Adressaten und Lesern und Leserinnen keine Distinktion, die wollen ja etwas Besonderes haben, was auch einen besonderen Preis rechtfertigt.“
Gleichwohl wollte Groothuis Bücher machen, „die man lesen und bezahlen kann, keine berührungsscheuen Objekte für Vitrinen.“
Hallo Rainer Groothuis, wir haben diesen Schritt zum 1. März 2012 gehen müssen. Eine Regelinsolvenz kann ein sehr guter Weg sein. Alles kommt noch einmal auf den Prüfstand. Das ist eine Riesenchance. Viel Glück.
Herzlichst
Jonas Plöttner / Plöttner Verlag in Leipzig